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Hörensagen - ein kommunikatives Kulturelement zersetzt und zerrüttet Menschen, Teams und Organisationen

Veröffentlicht am 27.04.2019

Hörensagen hat Jedermann schon erlebt und selber praktiziert. Unser Bauchgefühl signalisiert uns schnell, dass das nicht das optimale Kommunikationsverhalten ist, aber wir tun es trotzdem. Was steckt dahinter? In meiner langjährigen Berufserfahrung als Mediatorin habe ich die zersetzende und zerrüttende Wirkung erleben und analysieren können. Ein scheinbar harmloses Gespräch hat weitreichende Konsequenzen. Wären wir in unserer Gesellschaft in der Lage allein dieses Phänomen zu unterbinden, wären wir deutlich gesünder und leistungsfähiger.

Die, langfristig betrachtet, auch entmündigende Wirkung auf die Kommunikationskultur in einer Organisation bringt nichts als Stress, Belastung, manchmal sogar Unheil und Unglück für alle Beteiligten. 

Hörensagen – wie entsteht es?

Was treibt Menschen an, sich an einem zerstörenden oder zersetzenden Kommunikationsverhalten aktiv zu beteiligen? In der Regel geht es um eigenes Anerkennungsbedürfnis oder falsch verstandene Fürsorge. Um eigenes Anerkennungsbedürfnis handelt es sich meist dann, wenn man etwas gehört hat und die „Schlagzeile“ weiterträgt. Etwas zu wissen, was andere nicht wissen, erzeugt Interesse beim Gegenüber. In der Presse gilt der Slogan „no news are bad news“. Wenn man nichts zu erzählen hat, bekommt man nur wenig Aufmerksamkeit. Das tief in uns verankerte und meist chronisch minderversorgte Anerkennungsbedürfnis nährt sich also aus dem Moment, wenn der Satz beginnt mit…Hast du schon gehört? Natürlich gilt es zu unterscheiden, was weitergetragen wird. Wertvolle Informationen weiterzureichen, sodass Kolleginnen und Kollegen ihren Aufgaben besser nachkommen können, zählt nicht zu Hörensagen. Leider gelingt es kaum jemandem den rein sachlich wertvollen Anteil einer Information zu transportieren.

Da man für Sachinformationen nur selten besondere Aufmerksamkeit oder Anerkennung erntet, meinen wir natürlich auch den Rahmen weitergeben zu müssen. Stimmungen, Meinungen, persönliche Äußerungen…wir filtern kaum, geben einfach alles weiter, um in möglichst beeindruckte Gesichter zu blicken und eine Neuigkeit lanciert zu haben. Wer viel weiß, ist ein häufig gesuchter Gesprächspartner für gleichgesinnte Geister.

Die falsch definierte Fürsorge trifft immer dann zu, wenn sich jemand an uns wendet und wir ihm zunächst nur Gehör schenken wollen. Wir wollen das Gegenüber nicht einfach stehen und sich selbst überlassen. Wir hören also zu und dem Urtrieb der Fürsorge entsprechend, wollen wir auch sofort etwas tun. Also beginnen wir zu kommunizieren und tappen in die Hörensagen-Falle.

HörensagenHörensagen

Hörensagen – was bewirkt es?

Stelle ich meinen Klienten die Frage, ob sie möchten, dass man über sie redet, dann bekomme ich zu 100% die Antwort Nein. Sind wir in der Position, in der wir also das Objekt des Hörensagens sind, lehnen Kopf und Bauch das ganz klar ab. Dies ändert sich schlagartig, wenn wir vom Objekt zum Subjekt werden. Also wenn wir das Hörensagen aktiv über andere betreiben. Frage ich meine Klienten, warum sie denn über andere dieses oder jenes weitergetragen haben, dann erhalte ich immer Erklärungen und Ausreden, die das eigene Verhalten rechtfertigen und schön reden. Man wollte ja nur, meinte ja nur, dachte ja nur.

Fakt ist, dass ich in weit über 20 Jahren Berufserfahrung noch keine Situation erlebt habe, in der Hörensagen etwas Gutes bewirkt hätte. Hörensagen ist vielmehr ein zentraler Motor für mediative Aufträge. Es wäre ein erster Schritt, wenn wir hinter die rechtfertigenden Erklärungsansätze einen Haken setzen und den Gedanken annehmen könnten, dass Hörensagen grundsätzlich zersetzend und zerrüttend wirkt.

Erfährt ein Mensch, dass über ihn gesprochen wurde, geht dieser Moment meist noch mit Anonymität einher, was dem Tüpfelchen auf dem i gleichkommt. Das Gerede geht schon einige Zeit und hat seine Kreise gezogen. Da jedoch nicht mehr nachvollziehbar ist, wen die Informationen schon erreicht haben, begegnet der Betroffene fortan jedem Gesprächspartner mit der Frage, ob er auch beteiligt war, welche Rolle er/sie gespielt hat, welche Position ergriffen wurde, was der andere über einen selber denkt, von einem hält. Hörensagen und folgendes Kopfkino sind die Geburtsstunde für Selbstzweifel, Unsicherheit, persönliche Enttäuschung und Frustration. Weil man über und nicht mit uns gesprochen hat, fühlen wir uns isoliert. Ein Teufelskreis beginnt.

Hörensagen – und wie Sie erst gar nicht in die Falle tappen

  1. Zunächst schenkt man dem Gegenüber natürlich sein Ohr. Wichtig ist hierbei der Zeitfaktor. Je mehr Sie erkennen, dass nicht über einen Sachinhalt, sondern über eine Person gesprochen wird, umso mehr öffnet sich die Tür zum Hörensagen.
  2. Erkennen Sie, dass über eine Person gesprochen wird, müssen Sie zunächst unterscheiden, ob es ein positiv-lobendes oder negativ-kritisierendes Gespräch ist. In beiden Fällen gilt die gleiche Vorgehensweise. Positiv-lobende Gespräche sind natürlich die leichteren. Denn jemanden zu ermuntern, dem Betroffenen das Lob direkt zukommen zu lassen, fällt leichter als ihn aufzufordern seine Beschwerde direkt zu äußern.
  3. Fordern Sie Ihr Gegenüber also auf, das Lob dem Betroffenen direkt mitzuteilen. Viele Betroffene wollen auch Lob nicht über Dritte hören, wenngleich es die angenehmere Kommunikationssituation ist.
  4. Meist geht es beim Hörensagen jedoch um negative Inhalte. Eigener Gesprächsdruck bahnt sich einen Weg zu einem Dritten. Sobald Sie erkennen, dass über eine Person gesprochen wird und der Inhalt negativ ist, gilt es den Sprechenden zu unterbrechen. Warten Sie nicht länger ab als notwendig.
  5. Machen Sie Ihr Gegenüber auf ihre eigene Dilemmasituation aufmerksam. Was könnten Sie mit dem Gehörten tun? Es weitertragen? Fatal, denn Sie beteiligen sich aktiv am zersetzenden Hörensagen. Es für sich behalten? Schaffen die Wenigsten. Etwas, das Sie wissen, können Sie nicht mehr ignorieren. Dies verursacht oft schon immensen inneren Druck. Sie sehen den Menschen, über den Sie etwas gehört haben, können ihn jedoch im Grund nicht ansprechen, ohne das Gegenüber, sich selber und den Informationsgeber zu beschädigen. Sie werden mit Gegenfragen konfrontiert: Warum sagt er/sie mir das nicht selber? Warum hast du dich an dem Gespräch beteiligt? Teilst du diese Sicht?
  6. Die wichtigste Botschaft ist, den Ball für den Inhalt nicht anzunehmen, sondern zurückzuspielen. Sie befähigen somit Ihr Gegenüber zur direkten Kommunikation und vermeiden ihr eigenes Dilemma. Je länger Sie zuhören, laden Sie sich auch Verantwortung auf, dieses Gehörte für sich zu behalten.
  7. Sollte der Inhalt so schwierig sein, dass der Sprechende sich nicht alleine in ein Gespräch mit dem direkt Betroffenen traut, können Sie eventuell anbieten, ein Gespräch zu dritt zu führen. Jedoch ist auch dies schon aus Sicht des Betroffenen ein Gespräch mit ungleicher Kräfteverteilung.
  8. Weigert sich der Sprechende auf den Betroffenen zuzugehen, können Sie ihm sagen, dass Sie dieses Feedback leider nicht weiter verwenden können, da es sich im Sinne Hörensagen um unseriöses Feedback handelt. Egal, was Sie damit tun oder an wen Sie sich wenden, es wird nicht besser, sondern reitet Sie weiter in die Hörensagen-Falle hinein.

Mein Appell an alle, die sich nicht an zerrüttendem Verhalten beteiligen wollen, ist es, sich und andere stark in direkter Kommunikation zu machen. Kommunikation über Bande, im Sinne Hörensagen, schafft nur Unheil in Gemeinschaften - egal, ob privat oder beruflich. Wir würden ein gesünderes Leben führen, wenn wir authentisch direkt kommunizieren.

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Aggressivität - jeder hat sie, keiner will sie

Veröffentlicht am 15.12.2018

Das Thema"Aggressivität" ist ein ähnlicher Mythos wie das Thema "Motivation". Gesellschaftlich ist Aggressivität regelrecht aus der Mode und auf den Index gekommen und gleichzeitig begegnen wir ihr im Miteinander immer mehr - zuhause, auf der Straße, am Arbeitsplatz.

Der Kampf ums Überleben am ArbeitsplatzDer Kampf ums Überleben am Arbeitsplatz

Mit Blick auf die Emotionsforschung ist Aggressivität zunächst nur ein x-beliebiger Energiezustand, genauso wie Freude, Motivation, Ärger, Hass oder Liebe. Wenn man so will, sind Menschen nichts anderes als die Träger von Energie. Je nach Situation, Thema oder Person wird diese Energie quasi in Lichtgeschwindigkeit in die eine oder andere Form gewandelt. Die neutrale Masse Energie erhält quasi einen kontextbezogenen Anstrich. Das ist dann das Lebensgefühl, das wir in diesem Moment empfinden. Anstrengend für die Biomasse und/oder Psyche eines Menschen wird es, wenn die Energiezustände zu extrem oszillierend, zu lange andauernd oder zu schnell wechselnd sind. Zu unterscheiden sind unser Basisenergiezustand und situative Energiewechsel, also Energiemomente. 

Energie kann sich laut Physik nie auflösen, nur umwandeln. Wenn diese Energie jede beliebige Form innerhalb kürzester Zeit annehmen kann, darf man die Frage stellen, wie wir mit diesem Prozess umgehen. Wer sitzt am Steuerpult der Energieumwandlung? Wie sorgen wir für die notwendige Stabilität im Basiszustand ohne uns spontane emotionale Energiewechsel zu verbieten? Betrachten wir jede Emotion lediglich als einen puren Energiezustand.

Es hat nichts mit Intelligenz oder intellektueller Bildung zu tun. In der Emotionsforschung beginnt aktives Zustands- und Energie-Management mit

  • dem Bewusstsein für die eigenen Energiezustände,
  • der Dimension der Ausschläge, die wir erleben,
  • der Häufigkeit der Wechsel,
  • unserem natürlich veranlagten Set Point, an dem wir ausgeglichen sind,
  • unserer Bereitschaft uns selber mit der richtigen Mischung aus Spannung und Entspannung zu versorgen und
  • schädlichen Ausschlägen bewusst und aktiv entgegenzuwirken.

In der Evolution hat uns aggressive Energie das Überleben gesichert. Heute ist sie gesellschaftlich verpönt. Im Geschlechterkampf wird sie Frauen noch weniger zugestanden als Männern. Aggressive Frauen haben irritierende bis verstörende Wirkung auf ihr Umfeld. Nur wenige Männer können Aggressivität in Frauen richtig dechiffrieren.

Aggressivität in Frauen will richtig dechiffriert werden.Aggressivität in Frauen will richtig dechiffriert werden.

Aggressivität erfüllt einen guten Zweck in Jedermanns Leben. Die Frage ist nicht, ob wir sie haben, sondern wie wir mit ihr umgehen. Zu viel davon ist genauso ungesund wie zu wenig davon.

Um ein Phänomen wie Aggressivität zu betrachten, muss man zunächst auf das Gegenteil schauen. Könnten wir uns einen Menschen vorstellen, der in den Energiezustand "aggressiv" nicht gehen kann oder will? Und würden wir das als natürlich empfinden?

Da Aggressivität ein evolutionäres Vehikel zum Überleben war, ist sie in Jedem von uns vorhanden. Die gesellschaftlichen Normen trainieren uns dies ab und verurteilen sie. Da die Energie physikalisch nicht verschwindet, wendet sie sich nur in eine andere Richtung. Nämlich nach innen. Nicht umsonst explodieren in den letzten 10 Jahren die Krankentage der Bundesrepublik, die auf Stressbelastung zurückzuführen sind. Stress ist Energie, die den Körper nicht verlässt. Wir konservieren sie solange bis unser biologisches System kollabiert oder implodiert.

Aggressivität ist gut und hilfreich. Natürlich nur, wenn wir richtig damit umgehen, sie zielgerichtet zu unseren Zwecken nutzen und vor allem anderen Menschen nicht unangemessen zu nahe treten. Wenn ich Aggressivität in einem gewissen Rahmen zelebriere und ihr Raum gebe, um erfolgreich, gesund und stabil zu sein, ist das gut. Sie darf jedoch nicht übergriffig auf Kosten der Energie meines Gegenübers gehen.

Es erfordert heute viel Disziplin und Systematik, um jeden Tag eine gewisse Dosis Aggressivität auf gute Art und Weise loszuwerden oder sie in eine andere Energieform umzuwandeln. Unser Lebensalltag gibt uns dafür kaum mehr Raum. Wir stehen unter enormem Druck und die Aggressivität entlädt sich leider zu oft im falschen Moment, beim falschen Thema oder beim falschen Menschen.

Gäbe es eine kreative Alternative, um ans Ziel zu gelangen?Gäbe es eine kreative Alternative, um ans Ziel zu gelangen?

Als ersten Schritt zur Erleichterung in aggressiven Momenten ist das Bewusstsein, die eigene Aggressivität innerlich nicht sofort zu verurteilen und abzulehnen. Das steigert den inneren Druck, weil sie Ihren eigenen intellektuellen, geprägten und erlernten Anforderungen nicht gerecht werden. 

Im Moment der Wahrnehmung gilt es den eigenen Energiezustand zunächst einfach nur zu akzeptieren. Wer es schafft, kann die Aggressivität dann bald mit einem Lächeln begrüßen. Sich dessen bewusst werden, ist der erste Schritt zur Umwandlung der Energie insofern wir sie in diesem Moment als hinderlich und destruktiv erleben und bewerten.

Aggressive Energie will uns an ein ganz bestimmtes Ziel bringen. Die Frage ist daher, an welches Ziel wollen wir gelangen und ist der aggressive Weg der einzig mögliche oder gibt es noch Alternativen? Mit geschultem Bewusstsein, Selbstkontrolle und Kreativität finden Sie für sich selber einen alternativen Weg.

Überlegen Sie sich die Alternative außerhalb des aggressiven Moments, wappnen Sie sich mit mehr als einem Werkzeug im Werkzeugkasten. Seien Sie mutig und kreativ, auch ungewöhnliche Reaktionen dem Anderen und sich selber zu zeigen.

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Co-Abhängigkeit zu "dunklen" Persönlichkeiten

Veröffentlicht am 23.08.2018

Vorspann:

Co-Abhängigkeit ist ein Begriff, der sich im Zusammenhang mit Suchterkrankungen Mitte des letzten Jahrhunderts entwickelt hat. Alkoholsuchterkrankten steht bereits seit 1935 das Netzwerk "AA" (anonyme Alkoholiker) zur Verfügung. Für unseren konfliktbezogenen Kontext relevanter ist die Tochterorganisation "CoDA" (Co-Dependents Anonymous, also die anonymen Co-Abhängigen). Diese Gruppen und ebenfalls anonymen Treffen gibt es überall da, wo es auch direkt Suchtbetroffene gibt. CoDA kümmert sich heute um jegliche Form von psycho-sozialen und emotionalen Co-Abhängigkeitsphänomenen. Co-Abhängige entwickeln ganz eigene Krankheitsbilder, die eigenständig therapiert werden müssen. Die gute Nachricht ist, dass Menschen aus Co-Abhängigkeit deutlich schneller herauskommen können als der tatsächlich Suchtbetroffene.

Wer mehr über die Ursprungsform der Co-Abhängigkeit wissen möchte, findet Informationen unter www.coda-deutschland.de.

Um Co-Abhängigkeit zu einer "dunklen" Persönlichkeit verstehen zu können, blickt man am besten zuerst auf die andere, nämlich positive Seite der Co-Abhängigkeit. Diese finden wir bei frisch Verliebten. In den ersten Wochen und Monaten geht bekanntlich die Biochemie mit uns durch. Wir schweben auf Wolke sieben, erleben einen emotionalen Höhenflug. Wir fühlen uns prickelnd animiert, sind bestens gelaunt, leistungsfähiger, kommen mit wenig Schlaf aus und könnten Bäume ausreißen. Unser Leben fühlt sich leicht, beschwingt und rundum glücklich an. Sorgen und Probleme treten in den Hintergrund oder werden zumindest nicht mehr im gleichen Maße belastend empfunden wie vorher. Im Grunde hat sich bis auf die Bekanntschaft mit einem Menschen objektiv in unserem Leben absolut nichts verändert. Wir erleben und bewerten es nur schlagartig anders, da ein völlig neuer Faktor, in diesem Fall Mensch, in unser Leben getreten ist.

Diesen Grundmechanismus mit entsprechender Dynamik gilt es im Kontakt mit "dunklen" Persönlichkeiten nun umzudrehen und in seinen fatalen Konsequenzen zu betrachten. Während uns die positive Variante zwar der Realität entrückt, kann sie uns jedoch nicht ernsthaft schaden. Die negative Variante verdient so viel Aufmerksamkeit, weil sie uns mittel- bis langfristig einen erheblichen, manchmal sogar irreversiblen Schaden zufügen kann.

Die Grundmechanismen und -dynamiken sind identisch. Auslösender und in diesem Fall krankmachender Impuls ist der Kontakt mit einer Person, deren Verhaltensweisen, Haltungen, Aktionen und Reaktionen von einem mehr oder weniger gestörten Eigenbild ausgehen. Es ist für das Gegenüber nicht entscheidend, ob die Person, mit der wir leben oder arbeiten, unnatürlich agiert aufgrund einer stoffgebundenen Sucht oder aufgrund eines gestörten Selbstbildes. Das zugrundeliegende Muster ist gleich. Entscheidend ist vielmehr, dass wir als Empfänger der Botschaften unnatürlichen, unstimmigen und widersprüchlichen Botschaften ausgesetzt sind. Bis zu einer bestimmten Qualität und Quantität können wir dies in der Regel als Tagesform des Anderen aushalten und uns selber immer wieder regulieren und stabilisieren.

Sind Intensität und/oder Häufigkeit der unnatürlichen Impulse unseres Gegenübers jedoch zu groß, schaffen wir es psychisch nicht innerhalb eines angemessenen Zeitfensters wieder zu Ruhe und Stabilität zu finden. Basis für das Erleben dieser destabilisierenden Impulse ist unsere naturgegebene Resonanzfähigkeit. Spiegelneurone in unserem Gehirn sind wertvolle Zellen, die uns zu mitfühlenden und empathischen Menschen machen. Sie befähigen uns, emotionale Botschaften zu dechiffrieren, zu interpretieren und dementsprechend zu handeln. Spiegelneurone müssen allerdings auch geschützt werden, denn sie machen uns verwundbar. 

Im Kontakt mit einer dunklen Persönlichkeit befinden wir uns quasi im Schlepptau eines Menschen, der uns in die Tiefen seiner eigenen Komplexe hinabzieht. Aus diesem Strudel gilt es sich rechtzeitig zu befreien, wenn wir keinen ernsthaften Schaden nehmen wollen.

Nachspann: Was heißt Schaden? Das Feld der möglichen Konsequenzen ist weit. Ursprünglich stabile Menschen verlieren ihre innere Balance, ihr Wertesystem gerät aus den Fugen, sie sind verunsichert, desorientiert und verlieren den Bezug zur eigenen Persönlichkeit, Identität, ihrem Willen, ihren Wünschen und Bedürfnissen. Im schlimmsten Fall werden sie aufgrund der inneren Zerrissenheit erst psychisch und dann auch physisch krank. Es gibt zahlreiche Symptome...Schlafstörungen, Schwindel, Kopfschmerzen, extreme Müdigkeitszustände (Erschöpfungsdepression), Einschränkung des Kurzzeitgedächtnisses, massive Konzentrationsprobleme, Einschränkung in der Leistungsfähigkeit, Schwierigkeiten, den Kontakt zu Freunden, Familie und im Arbeitsumfeld zu halten, Rückzug aus den bisherigen sozialen Kontakten, Verlust der inneren Ausgeglichenheit, Burn out und vieles vieles mehr.

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Der "dunkle Dreiklang" einer Persönlichkeit

Veröffentlicht am 27.06.2018

"Der dunkle Dreiklang" in der Psychologie verspricht leider nicht zu viel. Es gibt unfassbar viele Menschen, die ein scheinbar intaktes Leben führen und dennoch, psychologisch betrachtet, auffällig sind. Persönlichkeiten, die den "dunklen Dreiklang" aufweisen, sind in der Regel beruflich erfolgreich, beim anderen Geschlecht begehrt und durchaus interessant. Interessant solange man mit ihnen keinen zu intensiven Kontakt hat.

Überdurchschnittlich vertreten ist dieses Phänomen in den Führungsetagen. Es gibt sogar Behauptungen, dass gerade diese Persönlichkeiten besonders erfolgreich seien, denn Reue, Mitgefühl oder Rücksicht kennen sie in nur sehr eingeschränktem Maß.

In privaten wie beruflichen Beziehungen wissen diese Persönlichkeiten ihre "dunkle" Seite geschickt zu verpacken oder lange zu verbergen. Sie binden uns an sich, sind attraktiv, wirken imponierend und anziehend. Vor allem Frauen fühlen sich zu derartigen Männern oft stark hingezogen. Stärke und Dominanzverhalten beeindrucken, denn das ist es, was "Weibchen" laut Evolution bewusst oder unbewusst suchen.

Entdeckt die Frau die dunkle Seite des Gefährten, wird es spannend. Eine starke Frau mit stabilem Selbstwertgefühl wird die Trennung suchen, um in der Nähe dieses Mannes nicht krank zu werden. Je länger sie mit ihm zusammen ist, umso unwohler fühlt sie sich. Natürlich gibt es diese Art psychologisches Profil auch bei Frauen. Da der dunkle Dreiklang etwas mit Dominanz- und Aggressivitätsverhalten zu tun hat, begegnen wir dem Phänomen bei Männern jedoch durchschnittlich einfach häufiger.

Die weniger starke Frau bleibt bei ihm, vergöttert ihn, merkt jedoch irgendwann, dass es für sie selber an der Seite dieses Mannes keinen Raum gibt. Sie gerät in Co-Abhängigkeit und verkümmert.

Was ist der "dunkle Dreiklang", genannt auch die dunkle Triade?

Die dunkle Triade ist ein psychisches Konstrukt, in dem sich drei psychologische Phänomene in Kombination offenbaren:

1. Der Narzisst ist süchtig nach Aufmerksamkeit und Bewunderung. Er betont gerne seine Bescheidenheit, schwelgt jedoch mehr oder weniger offen in Selbstverliebtheit, steht gerne im Mittelpunkt und macht am liebsten sich selbst Komplimente. Echte Selbstkritik Fehlanzeige. Ist er nur Randfigur in einer Gesellschaft, fühlt er sich nicht lange wohl. Er meidet Gesellschaften, in der er einer von vielen ist, wird schnell müde, gelangweilt und will nach Hause. Bei seinen eigenen "Veranstaltungen" blüht er auf, er genießt die Aufmerksamkeit und lässt sich umschwirren wie die Motten das Licht. Beide Extreme muss die Partnerin aushalten. An ihren eigenen Aktivitäten, Freundeskreisen nimmt er nur begrenzt Anteil. Sie spürt sehr schnell, dass er eher aus Höflichkeit weniger aus echtem Interesse anwesend ist. Geht es um seine Interessen, heißt es für sie durchhalten bis zum bitteren Ende. Auf jeden Fall muss sie echte Steherqualitäten in dieser Beziehung haben.

 

NarzissmusNarzissmus

 

2. Der Machiavellist ist eiskalt und gierig nach Macht. Er macht Ansage, setzt sich durch, stellt seine Interessen konsequent in den Vordergrund. Zur Erreichung seiner Ziele geht er, wenn es darauf ankommt, auch über Leichen. Gerade dieser Persönlichkeitsanteil ist zu Beginn einer Beziehung sehr attraktiv für das weibliche Geschlecht. Das Weibchen wittert einen Alpha-Mann, was er nicht wirklich ist, denn dafür sind sein Selbstwertgefühl und seine Fähigkeit Mitgefühl zu zeigen, nicht stark genug ausgeprägt. Der Schein trügt. Seine Stärke entpuppt sich schnell als mehr oder weniger aggressive Form der Herrschsucht, auch gerne auf eher subtile oder manipulative Art und Weise.

3. Der Psychopath ist ohne Mitgefühl für Andere. Empathie ist für ihn ein Fremdwort. Auch wenn er scheinbar aufmerksam zuhört, Fehler einräumt und Besserung gelobt, verlieren sich seine Worte im Nichts. Machen Sie ihn darauf aufmerksam, wird er beteuern, dass er es besser eben nicht kann. Im Grunde gar nicht so falsch, denn um tatsächlich lernen zu können, um zu wahrer Veränderung fähig zu sein, muss Verstandenes oder Eingesehenes mit echten Emotionen unterfüttert sein. Der emotionale Anteil einer Lektion macht das Erlebte zu einer Erfahrung und sorgt für die notwendige Nachhaltigkeit in der weiteren Lebensführung.

Es ist also in Summe hilfreich, sich in Konflikten sein Gegenüber nach den drei oben genannten Dimensionen gut zu betrachten. 

Für das soziale Umfeld stellt sich die Frage, was zu tun ist, wenn die dunkle Triade erkannt wird. In diesem Fall gibt es nur die Alternative Raum zwischen sich und dem Gegenüber zu schaffen, wenn man nicht in Co-Abhängigkeit geraten will. Was Co-Abhängigkeit in diesem Kontext bedeutet, ist Thema des nächsten Beitrags.

Mehr Details zur dunklen Triade lesen Sie im Psycholexikon.

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Panikattacken sind Ausdruck unterdrückter Aggressivität

Veröffentlicht am 10.05.2018

Panikattacken sind in unserer Gesellschaft längst kein Einzelphänomen mehr. Sie sind zu einem Massenphänomen geworden, das uns herausfordert, aktiv zu werden, das uns zwingt, hinzuschauen und Konsequenzen zu ziehen. Nicht nur das Individuum braucht eine Lösung für sich. Unsere Gesellschaft in Gänze muss sich neue und ganz andere Fragen stellen, um schleunigst Antworten zu finden.

Eine sehr komprimierte Definition lautet: Panikattacken sind Ausdruck unterdrückter Aggressivität.

Der Zeitraum ist dabei kein unerheblicher Faktor, denn Panikattacken entstehen in der Regel, wenn natürliche Aggressivität über einen längeren Zeitraum unterdrückt wird. Wenn Menschen sich dauerhaft nicht genügend Raum für die eigenen Bedürfnisse schaffen, sie unterdrücken und schlussendlich mit diesem inneren Druck nicht mehr zurechtkommen, dann schlägt das Unterbewusstsein zurück. Je mehr wir uns darum bemühen, die scheinbare Harmonie und Stabilität im Außen zu wahren, umso mehr verlieren wir die innere Harmonie mit uns selber. Eine recht lange Zeit geht das gut. Wir können den Konflikten aus dem Weg gehen, Menschen, Situationen und Themen meiden. In vielen Fällen - nämlich, wenn Menschen ein sehr hohes Harmoniebedürfnis haben - funktioniert das sogar jahrzehntelang. Irgendwann bekommen wir allerdings einen dicken Strafzettel. Der innere Druck löst sich nicht einfach auf. Er staut sich auf und läuft dann irgendwann über und letztendlich auch wie eine Welle über den Betroffenen.

Völlig unerwartet, als würde Jemand aus einem Hinterhalt nach uns greifen, uns überfallen, werden wir mit der ersten Panikattacke konfrontiert. Sie kündigt sich nicht an, sie wirft den Betroffenen in diesem Moment regelrecht um, reißt ihn aus seinem gerade noch sicheren Befinden heraus. Sie hebelt ihn aus, macht ihn handlungsunfähig. Betroffene beschreiben, sich den Panikattacken völlig ausgeliefert zu fühlen. Da der Betroffene sie nicht vorhersehen kann, kann er sie dann auch meist nicht kontrollieren. Er verliert seine natürliche Sicherheit, sich eigenbestimmt durch sein Leben zu bewegen. Nicht der Mensch, sondern die Panikattacke übernimmt die Führung, was dazu führt, dass sich der Betroffene zunehmend weniger zutraut, bestimmte Themen, Menschen oder Situationen meidet und so in einen Zustand großer seelischer Not und Isolation gerät. Der Kontrollverlust verstärkt die Angst und der Teufelskreis steht.

Die Panikattacke greift nach dem Betroffenen wie aus einem Hinterhalt.Die Panikattacke greift nach dem Betroffenen wie aus einem Hinterhalt.

 

 

Wenn so viele Menschen in einer Gesellschaft nachhaltig in einen solchen Zustand geraten, sollte jeder Einzelne von uns sich fragen, was läuft da falsch? Wir dürfen nicht mehr wegschauen, wenn ein erheblicher Anteil unserer Mitmenschen vor Angst innerlich regelrecht zu "sterben", zu erstarren bzw. lebensuntüchtig zu werden scheint.

Quellen besagen, dass zirka 12 Mio. Menschen unter Angststörungen - also dem Vorläufer von echten Panikattacken - leiden. Eine weitere Quelle spricht von mehr als 15% der Bevölkerung. In Österreich sollen es sogar 20% der Bevölkerung sein. Unterschiedliche Quellen, unterschiedliche Zahlen, aber eine Gemeinsamkeit - es sind zu viele und Panikattacken gehören mittlerweile fest in unser Gesellschaftsbild. Sie sind Ausdruck einer generellen Gemütslage. Sie sind etabliert. Sie isolieren die Betroffenen sozial und machen sie nicht selten langfristig auch medikamentenabhängig.

Abhängig nicht im Sinne einer Sucht, sondern abhängig im Sinne, dass Stabilität nicht mehr aus eigener mentaler Kraft oder mit Hilfe therapeutischer Unterstützung, sondern nur noch medikamentös wiederhergestellt werden kann. Das ist äußerst besorgniserregend.

Es gab eine Zeit, in der Panikattacken genauso belächelt wurden wie Burn out. Heute lacht keiner mehr darüber. Das Lachen ist uns vergangen. In einem vergleichsweise minimalen Zeitraum, nämlich von 2012 bis 2018, ist die Zeit der stressbedingten Fehltage am Arbeitsplatz von 20 auf 30 Mio. pro Jahr gestiegen. Angststörungen und Panikattacken nehmen hier den Löwenanteil ein.

Aber wie fühlt sich eine Panikattacke an? Es gibt zahlreiche Symptome. Unter dem Strich fühlt sich der Betroffene tatsächlich so als würde er sekündlich bewusstlos werden oder sterben. Es ist ein fataler Kreislauf, denn die Symptome, die sich wie ein bevorstehender Herzinfarkt anfühlen, lösen echte Todesangst aus. Es ist kein abstraktes Fürchten von Tod. Es ist konkret und real, denn die Symptome entsprechen exakt denen, die ein Mensch in den letzten Sekunden seines Todeskampfes hat - Herzrasen, Atemnot, Übelkeit, Schweiß, Bluthochdruck oder extremer Blutdruckabfall, Herzschmerzen - das ganze Programm. Es heißt, es könne einem bei einer Panikattacke eigentlich nichts passieren...eigentlich.

Eine gute Nachricht gibt es trotzdem. Panikattacken müssen nicht bleiben. Sehr oft treten sie im Zusammenhang mit einer besonders belasteten Lebensphase oder -situation auf, sie müssen also nicht von Dauer sein, wenn man richtig damit umgeht und darauf reagiert.

Zuallererst ist es wichtig, sie ernst zu nehmen, sie nicht zu ignorieren. Oft reagiert das Umfeld überfordert, ignorant und verharmlost oder belächelt die Situation und den Betroffenen. Klar, wer diesen Zustand selber noch nicht erlebt hat, kann ihn auch nicht nachvollziehen oder nachempfinden.

Angst ist eine unserer wichtigsten Basisemotionen im Leben. Sie hat einen konstruktiven Auftrag. Sie will uns etwas sagen, uns lenken und leiten. Wer richtig hinhört und sie zu interpretieren weiß, wird die Panikattacke in den Griff und somit das eigene Leben wieder unter Kontrolle bekommen.

Gesellschaftlich ist es ein Zeichen totaler Überforderung. Die Menschen in unserem Land sind schon lange überfordert von dem Leben, das sie sich selber über Jahrzehnte erschaffen haben. Hinterher ist man immer schlauer. Vor 50 bis 70 Jahren wussten wir nicht, wohin wir uns mit unserer rasanten Entwicklung steuern. Heute sammeln wir die Scherben auf. Eine Weisheit bewahrheitet sich: "Das Leben verstehen wir nur in der Retrospektive."

Mir fällt in letzter Zeit immer wieder ein, was mir ein junger Kollege vor 25 Jahren ein Mal sagte. "Es gibt kein höheres Gut als eine unversehrte Psyche."

Wie Recht er hat, verstehe ich erst heute, wenn ich um mich blicke und die Menge an "Versehrten" erblicke. Als wären wir in einem Krieg mit uns selber und dabei führen wir ihn nicht für uns, sondern gegen uns. Eine Menschheit voller "psychischer Kriegsversehrter", die über einen zu langen Zeitraum ihre Aggressivität unterdrückt hat und so zum eigenen Opfer wurde. Es ist ein paradoxes Ergebnis in einer paradoxen Realität. Deutschland lebt in der längsten Friedenszeit aller Zeiten. Nie hatten wir eine größere Sicherheit, körperlich unversehrt durch unser Leben zu gehen wie heute. Und gleichzeitig verursachen wir in einem alltäglichen Krieg ohne sichtbare Waffen Millionen von psychischen Opfern.

Wer ist hierfür verantwortlich? Wohin können wir uns wenden? Wen könnten wir anklagen oder zum Schuldigen machen, wenn nicht uns selbst, die wir diese Welt geschaffen haben und weiterhin akzeptieren in ihr zu leben. Es ist Zeit zum Umdenken und neuen Handeln, denn es gibt nichts Mächtigeres als einen Gedanken, dessen Zeit gekommen ist.

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Lösungsfindung durch Auflösen eines Dilemmas, Teil 2 von 2

Veröffentlicht am 12.02.2018

Das Paar meines vorherigen Berichts war bereit, die Form loszulassen, um den Inhalt zu erhalten. Von Anfang an war klar, dass dies einem Experiment gleichkommt, von dem keiner der Beiden wusste, ob es gelingen wuerde. Im Laufe der darauf folgenden Wochen stellten sich wertvolle Erkenntnisse für beide Beteiligten ein.

Person A erkannte, dass ihr der Erhalt der äußeren Lebensformen, -rythmen, -rituale und -termine letztendlich wichtiger ist als die Liebe zum Gegenüber. Es galt für die Person A eine Entscheidung zu treffen. Die Liebe zum Gegenüber zu erhalten, hätte es notwendig gemacht, sich und das eigene Leben ein Stück weit zu verändern, sich weiter an die andere Lebenssituation anzunähern, anzupassen und auf etwas Neues einzulassen. An diesen Scheidepunkt geführt, hat die Person sich dafür entschieden, das Gegenüber los zu lassen und dafür die eigenen, äußeren "Lebensformen" stabil zu halten. Grund für diese existenzielle Entscheidung ist der eigene unverhältnismäßig große Bedarf an "Sicherheit" beziehungsweise der pathologische Bedarf an "Freiheit", sich vollkommen uneingeschränkt und maximal spontan durch sein Leben zu bewegen.

Feste äußere Strukturen vermitteln oft ein vermeintliches Gefühl von Sicherheit. Das Loslassen von festen äußeren Strukturen vermittelt dem Betroffenen, nichts mehr in der Hand und unter Kontrolle zu haben. Loslassen macht Angst. Eine Angst, die den Betroffenen lähmt, wahre Veränderung und Entwicklung verhindert. Nur der Gedanke an eine tiefgreifende Veränderung scheint wie ein lebensbedrohlicher Tsunami, den es unbedingt zu verhindern gilt.

 

Daher hat Person A sich letztendlich gegen die Beziehung, gegen Veränderung und somit für den Erhalt der eigenen, äußeren Sicherheitsstruktur entschieden. Viele Menschen können aus äußerer Sicherheit und vielen Strukturelementen Defizite in der inneren emotionalen Stabilität relativ gut auffangen oder zumindest kaschieren.

Natürlich gibt es für jede Entscheidung immer einen Preis zu zahlen. In diesem speziellen Fall bedeutet das Festhalten an der äußeren Sicherheit und der extrem ausgeprägte Wunsch nach uneingeschränkter persönlicher Freiheit eine verlorene Chance eine wirklich innige Beziehung einzugehen. Die Kombination dieser beiden oft kontroversen Bestrebungen "Sicherheit" und "Freiheit" führen zu stark oszilierendem Verhalten, was für das Gegenüber sehr schwierig zu handhaben ist.

Auch für Person B hat die Zeit des "Experiments" wichtige Erkenntnisse gebracht. Person B hat erkannt, dass die Liebe nicht die ist, die sie sich wünscht, denn im Vordergrund stand nicht sie als Mensch in der gemeinsamen Beziehung, sondern sie als Platzhalter für die Aufrechterhaltung der äußeren Formen von Person A. Im Grunde ging es nie um das sich Einlassen und Schaffen einer wirklich innigen Beziehung, sondern um das Ablaufen und Erfüllen eines äußeren Rahmens, um die Welt von A vermeintlich stabil zu halten. Person B wurde bewusst, dass die Beziehung im Grunde inhaltlos und somit für sie hohl war.

Das Erkennen des Dilemmas und die Phase des Experimentierens hat beiden Beteiligten dazu verholfen, Antworten darauf zu finden, weshalb die Beziehung nicht funktionieren konnte. Für Beide ist es nun wesentlich leichter mit der Beziehung abzuschließen und sich der Zukunft zuzuwenden.

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Lösungsfindung durch Auflösen eines Dilemmas, Teil 1 von 2

Veröffentlicht am 14.01.2018

Um in heiklen Beziehungsmomenten eine Lösung zu finden, ist nicht selten das grundsätzliche Auflösen von Dilemmasituationen zielführend. Klassische Dilemmasituationen bestehen meist zwischen "Mensch und Rolle", "Person und Thema" oder "Form und Inhalt". Der erste Schritt ist, das jeweilige Dilemma zu erkennen. Dazu sind die Betroffenen aufgrund der hohen emotionalen Verwicklung allein nicht in der Lage. Sobald das Dilemma jedoch erkannt wird, ergeben sich daraus neue Lösungsoptionen. 

 

Heute blicke ich auf einen Fall im privaten Umfeld. Ein Paar liebt sich, kommt jedoch in der Beziehung aufgrund bestimmter Rahmenbedingen, Lebenseinstellungen, Hobbies und Wertehaltung nicht gut miteinander aus. Beide erleben zahlreiche und intensive Momente der Irritation. Die emotionale Ebene ist stark, verbindend und stabilisierend. Der operative Lebens- und Handlungsrahmen trennend und belastend. Das Paar kann die Kluft nicht überwinden und trennt sich.

Nach der Trennung stellen Beide unabhängig voneinander fest, dass Trennung nicht die geeignete Lösung war. Es geht ihnen noch schlechter als zuvor. Die Sehnsucht nach dem Anderen ist belastender als alles andere vorher. Der äußere Lebens- und Handlungsrahmen ist durch die Trennung zwar wiederhergestellt, da Jeder nun wieder frei und nach individuellem Bedarf enscheidet und agiert, die innere, emotionale Balance ist jedoch verloren.

Meist glauben Menschen, dass das eine mit dem anderen, also emotionale und operative Verbindung doch verbunden sein müsste und somit beides auch funktionieren müsste. Diese Annahme ist falsch. In unserer sehr komplexen, anspruchsvollen und dynamischen Welt scheitern sehr viele Beziehungen an den äußeren Rahmenbedingungen, nicht an der emotionalen Verbindung.

Das Paar, von dem ich berichte, war sich des Dilemmas in dieser Form nicht vollumfänglich bewusst bzw. nicht in der Lage, damit zu arbeiten und einen Kompromiss herzustellen, der die emotionale Basis erhält. Beide versuchen nun die eigenen Erwartungen an bestimmte äußere "Formen" loszulassen, um herauszufinden, ob der "Inhalt", nämlich die Liebe, dann wieder gelebt werden kann. Die große Lehre des Lebens ist das Loslassen, heißt es. So versuchen diese beiden Menschen nun sehr viel loszulassen. Sie wollen sich von Gewohntem trennen, sich von Wünschen und Erwartungen, die ihnen natürlich erscheinen, verabschieden, um herauszufinden, ob sie ohne diese "Formen" leben können. Vielleicht hat dann der wertvolle "Inhalt", die Liebe, eine Chance und sie schaffen es, ihre Verbindung solange zu erhalten, bis sich die äußeren Formen wieder annähern können. 

Denn manchmal gilt es vor allem, Zeit zu gewinnen. Lebenswege verlaufen nicht immer parallel. Sie können sich phasenweise voneinander entfernen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder nähern. Diese individuellen Schwingungen aufzunehmen und mitzugehen, ist eine große Leistung. Und es ist ein Ausdruck größter Liebe, wenn man die Verbindung in den Phasen der Entfernung nicht zerreißen lässt.

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Wohin mit unserem Stress - oder kennen Sie den Kopfschüttler im Rückspiegel?

Veröffentlicht am 21.12.2017

Sie sind überall...die Kopfschüttler, aber ich meine diesen besonderen Kopfschüttler. Wir kennen ihn alle und wir begegnen ihnen alle.

Ich sitze im Auto, es wird grün, ich habe den Gang nicht schnell genug eingelegt und meine Anfahrt verzögert sich um einen Wimpernschlag. Ich frage mich, wie es den Fahrern hinter mir gelingt, in diesem minimalen Zeitfenster bereits Hupen zu können. Wenn ich mich an meine Führerscheinstunden erinnere, ist das laut Reaktionszeit biochemisch kaum möglich. Dennoch hat der Fahrer bereits gehupt und dann ist er da - der empörte Kopfschüttler. Diese entschiedene Kopfbewegung von rechts nach links gepaart mit hoch gezogenen Augenbrauen und verächtlichem, demonstrativem Ausatmen. Die Hände erheben sich vom Lenkrad gleichzeitig als Zeichen der Hilflosigkeit und Ohnmacht. Sie sollen dem Vorherfahrenden signalisieren wie viel Verachtung gerade nach vorne gesendet wurde.

Fast hätte es der Fahrer hinter mir geschafft, dass ich darauf hereinfalle und mich ärgere, aber nein ich habe mit meinem Tag heute einen anderen Plan. Ich möchte mich nicht aufregen, also tue ich es auch nicht. Übrigens heißt das nicht, dass ich es nie tue. Ich entscheide nur wann, wo und mit wem ich es tue.

Die Kopfschüttler sind überall. Auch im Supermarkt, wenn man nicht schnell genug den Trenner zwischen den eigenen Einkauf und den des Nachfolgenden platziert hat.

Gerade in diesen Tagen - kurz vor Weihnachten - scheinen sich die Kopfschüttler regelrecht minütlich zu vermehren. Sie können versuchen, den eigenen Stress und Druck an Andere weiterzugeben, aber es liegt in meiner Hand, ob ich ihn annehme oder nicht. In der Regel nehme ich ihn nicht an und manchmal lohnt es sich, denn manchmal lösen Charme und Humor eine Situation eher als Härte.

Ich bin Berufsoptimist und deshalb möchte ich abschließend meine Begegnung von gestern hierher stellen. Was wäre ein Beitrag kurz vor Weihnachten ohne einen positiven Ausblick.

Im Supermarkt drängen sich die Menschen an der Kasse für Ihren Weihnachtseinkauf. Ich war noch nicht weit genug vorne an der Kasse, um an den Trenner heranzukommen. Ich dränge mich ungern zwischen die Leute. Mein Hintermann war schneller, er geht vor, holt sich so einen Trenner und stellt ihn zwischen meine und seine Ware. Oh Mann, denke ich, jetzt kommt er gleich der Blick und der Kopfschüttler.

Aber nein. Ich blicke den Mann hinter mir an und mir fällt sein entspannter Blick auf. Ich sage danke. Er lächelt. Die gleiche Situation wie so oft, aber mit Leichtigkeit und Charme gelöst. Ich sage, dass ich weiß, dass ich das eigentlich hätte tun sollen. Er erwidert, ich habe nur Ihre Gedanken gelesen...und lächelt.

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Der innere Dialog - ein Weg aus der Eskalationsspirale

Veröffentlicht am 24.10.2017

Der innere Dialog ist das Gespräch, das Sie - während Sie in einem Dialog mit Ihrem Gegenüber sind - parallel auch noch mit sich selber führen. Sicher kennen Sie das. Sie führen ein Gespräch mit Ihrem Gegenüber und gleichzeitig kommen Ihnen Gedanken in den Sinn, die Sie zwar denken, aber nicht aussprechen. Je schwieriger und konfrontativer das Gespräch mit dem Gegenüber verläuft, umso stärker wird auch der Dialog im Inneren.

 

 

Leider sind sich die meisten Menschen nicht darüber im Klaren, dass genau dieser innere Dialog der beste Weg aus einem Eskalationsmoment ist. Es würde nur ein bisschen Überwindung kosten, genau diese Worte und Gedanken auszusprechen. In der Regel glauben wir, dass wir das doch nicht sagen können, dass es doch gar nicht zur Sache gehört und irgendwie jetzt gerade gar nicht passt.

 

Die inneren Barrieren sind in diesem Falle falsch. In der professionellen Konfliktbegleitung ist es meine Aufgabe, den inneren Dialog der Beteiligten zu spüren und ihn über geschickte und wertschätzende Fragetechniken aus den Gesprächspartnern hervorzukitzeln. Gelingt diese Übung, besteht die große Chance, dass das Gespräch einen völlig unerwarteten und neuen Verlauf nimmt. 

Die Gesprächspartner entdecken Neues in einer Geschichte, in einem Menschen, in einer Situation oder einem Moment. Bisher Verborgenes tritt zum Vorschein und verändert oft auf überraschende Weise die Sicht auf die Lage.

Verändern sich Sichtweise und Bewertung einer Situation, verändern sich auch die Schlussfolgerungen und Konsequenzen, die wir ziehen. Das ist eine Chance. Haben Menschen diese Erfahrung ein Mal gewinnbringend erlebt, werden Sie es fortan immer praktizieren. Ich ermutige meine Klientinnen und Klienten stets den inneren Dialog auszusprechen. In ihm liegt die Alternative zur Eskalation.

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"Das große Ziel unserer Bildung ist nicht Wissen, sondern Handeln."

Veröffentlicht am 08.10.2017

In mediativen Verfahren begegne ich Menschen weit außerhalb ihrer Komfortzone. Sie sind belastet, oft verzweifelt und sehen zunächst keinen Ausweg aus ihrer Lage. Oft fragen mich meine Kunden, wie die Chancen aussehen, wer schafft es, wer nicht?

Die Menschen, die es schaffen, sich aus der heiklen Situation zu lösen und voranzukommen, zeichnen sich meist durch zwei Wesenszüge aus, die ich gerne in zwei Zitaten formuliere.

1) Intelligenz ist die Fähigkeit zur Selbstkritik: Menschen, die aus Konflikten gut herauskommen sind bereit, schonungslos die eigenen Schwächen und Inkompetenzen zu betrachten. Sie haben keine Angst vor sich selber. Sie scheuen sich nicht vor Selbstkritik, sie schonen sich nicht und sie stellen zuallererst Ansprüche und Anforderungen an sich selber. Konfliktlösung beginnt nicht beim Gegenüber, sondern bei der eigenen Person. Erfolgreiche Konfliktlöser arbeiten konsequent und schonungslos am eigenen Verhalten. Sie lassen sich nicht selber billig davonkommen, während das Gegenüber mit Vorwürfen und Besserwisserei überhäuft wird.

Es ist eine absolute Stärke und Kompetenz in einer angespannten Situation, die das Potenzial zur Eskalation hat, einen Schritt aus sich selber heraus zu treten und von außen auf das eigene Handeln zu blicken. Aus der sogenannten zweiten oder vielleicht sogar dritten Position auf das eigene Verhalten schauen und feststellen, dass man es gelinde gesagt besser machen könnte, ist nicht selbstverständlich. Es ist eine Leistung. Es ist der erste von zwei essentiellen Schritten auf dem Weg der eigenen Verhaltensveränderung und damit der Konfliktlösung.

2) "Das große Ziel unserer Bildung ist nicht Wissen, sondern Handeln." sagt Herbert Spencer, englischer Philosoph und Soziologe. Es ist das Credo, nach dem ich seit vielen Jahren arbeite und lebe. Es ist der Anspruch, den ich an mich selber stelle.

 

Deutschland ist kein Land, in dem wir vorwiegend von Ackerbau oder Bodenschätzen leben. Deutschland ist ein Land, in der eine ausgeprägte Wissensgesellschaft lebt. Wir haben so viel Wissen, dass wir es ins Ausland exportieren können. Wieviel von diesem Wissen wenden wir jedoch in unserem täglichen Leben an? Es wird Sie nicht überraschen, wenn ich behaupte, sehr wenig.

Speziell im Bereich der Sozialkompetenz stehen uns viele Quellen zur Verfügung, aber wir setzen unser Wissen nicht ausreichend um. Oft beginnen Sätze meiner Kunden mit "Ich weiß, ich sollte..." oder "Ich könnte natürlich, aber...". Ich frage diese Kunden dann, was sie davon abhält, diese eine spezielle Sache zu tun. Die Antwort lautet meistens "Nichts!".

Es ist der eigene innere Schweinehund, die Faulheit und Bequemlichkeit, aber auch Angst vor dem, was danach kommt, das uns unser Wissen nicht anwenden lässt. Unsere mangelnde Durchlässigkeit, das Wissen in eine tiefere Ebene unseres Bewusstseins aufzunehmen, wo wir es nicht mehr ignorieren können, lässt uns in Passivität verharren.

 Die, die bereit sind, sich selber kritisch zu betrachten und die Erkenntnisse daraus zeitnah umzusetzen, das sind die Menschen, die sich dementsprechend schnell auch aus ihren Konflikten lösen, weil sie bereit sind, sich wirklich weiter zu entwickeln. So kommen sie aus Konflikten mit sich selber und Konflikten mit der Umgebung heraus. 

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Frustrationstoleranz - ein schwindendes Gut

Veröffentlicht am 29.09.2017

Frustrationstoleranz ist ein Begriff, über den die meisten Menschen erst Mal länger nachdenken müssen, um sich etwas Konkretes darunter vorstellen zu können. Meist wissen wir, was er bedeutet, wenn er NICHT vorhanden ist. Dann nämlich werden Menschen leicht kränkbar, nachtragend, jammern, zicken permanent rum und kosten uns viel zu viel Energie. Im schlimmsten Fall neigen sie zu Gewalt.

Wir begegnen dem großen Defizit an Frustrationstoleranz täglich und in allen Lebenslagen. Zum Beispiel im Straßenverkehr. Wer Auto fährt, weiß wovon ich spreche. Erst kürzlich fuhr ich auf dem Weg zur Arbeit morgens kurz vor 7 Uhr in München auf den mittleren Ring auf. Der Verkehr war noch fließend, aber schon sehr dicht. Man konnte weder schneller noch langsamer fahren, weder nach rechts oder links die Spur wechseln, denn alle Fahrzeuge bewegten sich wie ein gleichmäßiger Strom. In meinem Rückspiegel tauchte eine Dame um die 55 auf, kurze braune Haare, Brille, eher der konservative Typ. Sie fuhr mit ihrem Audi so nah auf, dass ich ihre Nasenhärchen zu sehen glaubte.

Solange ich auf dem mittleren Ring war, fuhr sie hinter mir, fluchte und gestikulierte. Ich bin kein Profi im Lippenlesen, aber mir entging nicht, was sie da in ihrem Fahrzeug alles von sich gab. Die Faust, der Mittelfinger, Aufblenden, Blinken, Hupen...volles Programm...sie war außer sich.

 

Neben mir fuhr ein Betonmischer. Es gab also keine Chance, ihr den Weg frei zu machen, was ich gerne getan hätte, damit sie genau eine Autolänge nach vorne kam. Ich fuhr also weiter, blieb ruhig und behielt sie im Rückspiegel im Blick. In solchen Momenten fühle ich mich wie ein ethnologischer Beobachter, der einem Experiment beiwohnen darf. Ich frage mich, in welcher vor allem emotionalen Welt dieser Mensch wohl gerade ist. Es ist mir unverständlich, ja es ist mir völlig fremd wie ein Mensch sich in seine eigenen Emotionen so frei von jeglicher Kontrolle hineinsteigern und einen anderen völlig Unbeteiligten in dieser Form belästigen, bedrängen und nötigen kann.

Als ich endlich den Blinker setzen konnte, um abzubiegen, entlud sich bei ihr die volle Wut. Aus dem herunter gelassenen Fenster erschien erst Faust, dann Mittelfinger, sie hupte zeitgleich, blickte mir nach und ich fragte mich nur, wenn die eine Hand aus dem Fenster ragt, die zweite in der Mitte des Steuers die Hupe betätigt und der Blick seitlich bei mir ist, wer lenkt dann gerade dieses Fahrzeug und achtet auf den dichten Verkehr? Niemand.

Ich hatte an diesem Tag glücklicherweise eine gute Tagesform, freute mich auf einen angenehmen Arbeitstag. Meine Frustrationstoleranz war stabil. Trotzdem habe ich die Minuten als Übergriff erlebt, mein Bioorganismus ist hochgefahren, ich habe mich deutlich unwohl gefühlt. Die Geburtsstunde eines potenziellen Konflikts. Was passiert, wenn das Gegenüber auch keine Frustrationstoleranz zu bieten hat? Eskalation für nichts und wieder nichts.

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Dann lassen wir es Mal eskalieren!

Veröffentlicht am 16.09.2017

Diesen Satz hört man nicht selten in Firmen, wenn die Dinge nicht so laufen, wie sie laufen sollen und ehrlichgesagt wäre es auch gar kein Problem, die Dinge eskalieren zu lassen, wenn die Betroffenen es auf professionelle Art und Weise täten.

Kaum jemand weiß, wie professionelle Eskalation umzusetzen ist. Und die, die es wissen, wenden das Wissen nicht an. Grund hierfür ist, dass in dem Moment, in dem die Sache nicht wie gewünscht vorankommt, enorme Befindlichkeiten entstehen. Die Aufmerksamkeit gleitet weg von der Sache hin zum Ego.

Und wenn Egos sich begegnen, ist klar, was folgt. Unkontrollierte Eskalation mit möglichem Maximalschaden, also in der Sache und im Ego.

 

Was heißt korrekt eskalieren? Aus professioneller Sicht könnte ich nun natürlich einen akribischen Kommunikationsprozess beschreiben, aber diesen Anspruch darf ich im Grunde nur an mich selber stellen. Für die Menschen, denen ich begegne, würde es schon ausreichen, wenn sie wenige Spielregeln beachten und anwenden:

1. Beobachte ich, dass etwas nicht läuft wie ich es mir wünsche, spreche ich die Person direkt, persönlich und unter vier Augen an.

2. Im Gespräch formuliere ich die schwierigen Botschaften in der Ich-Form und vermeide die anklagende Du-Form.

3. Ändert sich das Verhalten der Person nicht, spreche ich die Person ein zweites Mal direkt, persönlich und unter vier Augen an.

4. Ändert sich im Verhalten wiederum nichts, führe ich ein drittes Gespräch, in dem ich nun nicht mehr die Sache thematisiere. Im Mittelpunkt dieses dritten Gesprächs steht das eigene Resümee, dass sich nach den zwei vorausgegangenen Gesprächen nichts in der Sache oder im Verhalten geändert hat. Ich teile nun meinem Gegenüber mit, dass ich den nächsten Schritt gehen werde, also in die nächste Eskalationsinstanz. Durch diese Information hat der Betroffene die letzte Chance unmittelbar zu reagieren. Reagiert mein Gegenüber nicht, ist sich die Person klar und bewusst darüber, dass es zur Eskalation kommt und Dritte Kenntnis erhalten. Es liegt an ihm/ihr, zu entscheiden, wie es weitergeht. Geht es in die Eskalation mag ihm/ihr das sicherlich nicht gefallen, aber es gibt keine Basis für Vorwürfe, denn der Prozess war transparent. Mein Gegenüber wusste Bescheid und wird daher von der Eskalation nicht überrascht.

Ich sehe die Leserinnen und Leser dieses Beitrags vor meinem geistigen Auge zu den oben genannten Punkte mit dem Kopf nicken. Auch in persönlichen Veranstaltungen bestätigen mir die Zuhörer, wie richtig sie diesen vorgeschlagenen Weg finden. In der Realität erlebe ich nur fast täglich beruflich, aber durchaus auch privat, dass dieses Wissen ganz konsequent NICHT angewendet wird.

Was in einem ruhigen Moment so natürlich und selbstverständlich erscheint, ist in einem Moment der persönlichen Betroffenheit gleichermaßen schwierig bis unmöglich umzusetzen. Warum? Die Antwort ist wenig charmant. In der Regel fehlt der echte Wille dazu, sich in einem Moment, in dem das Gegenüber einem ja offensichtlich das Leben schwer macht, korrekt zu verhalten. Die eigenen Emotionen und Befindlichkeiten übernehmen die Führung.

Im echten Leben sieht es dann eher so aus:

1. Ich spreche mit allen möglichen Leuten über meinen Ärger, aber nicht mit dem Betroffenen direkt, um mich abzureagieren.

2. Ich greife im direkten Gespräch den Anderen mit Du-Vorwürfen an.

3. Ich spreche höchstens ein Mal mit dem Betroffenen und wenn es nicht fruchtet, wende ich mich verletzt ab und schmolle oder mache weiter in meiner aggressiven Kommunikation mit Dritten. Das löst zwar nicht die Sache an sich, aber gibt ein ungemein befriedigendes Gefühl für den Moment.

4. In der Sache geht nichts weiter. In der Beziehung geht es auch nicht weiter oder eher bergab. Je nach Temperament eher im Stillen oder aggressiv.

Schade, denn dann verlieren alle Beteiligten und die Chance auf Erkenntnisse, Vorankommen, Klärung, Erleichterung, Lösung ist vertan.

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Was ist das Gegenteil von Liebe?

Veröffentlicht am 10.09.2017

Spontan erhalte ich auf diese Frage meistens die Antwort "Hass". Die Wahrheit ist, dass Beides, also Liebe und Hass, starke Emotionen mit viel Energie sind. Die Energie wird nur in unterschiedliche Richtungen gelenkt. Das Gegenteil von Liebe und Hass ist völlige Energielosigkeit und somit Gleichgültigkeit.

Wenn ich ungerührt dabei zusehe, wie der LkW vor die Tür fährt, die Möbel einpackt werden und ich mir dabei überlege, was ich einkaufen muss oder was ich zum Abend esse während mein Partner mich verlässt, dann ist wohl der Punkt erreicht, wo alles vorbei ist. Keine Liebe, kein Hass - einfach vorbei.

 

Bevor Menschen bereit sind, sich in mediative Arbeit zu wagen, behaupten sie meist recht lange, dass das Thema, die Person oder Situation ihnen völlig egal sei - eigentlich. Uneigentlich finden sie jedoch keine Ruhe und verspüren den Drang, relativ häufig dem Umfeld über diese Person, dieses Thema oder diese Situation zu berichten, sich zu beschweren, zu jammern. Solange bis die guten Freunde, Kollegen oder Nachbarn sich ein Herz fassen und den Erzähler mit der unangenehmen Wahrheit konfrontieren, dass da wohl doch noch einiges an Energie und somit Interesse an Klärung drinsteckt.

Sind Menschen in mediativer Arbeit mit mir, sagen Sie mir zu Beginn der Einzelgespräche, aber auch oft noch in den Konfrontationen mit dem Gegenüber, dass sie nicht bereit sind, etwas zu diesem oder jenem Punkt zu sagen. Sie wollen eigentlich zu gar nichts etwas sagen. Dieses gar nichts sagen in den Einzelgesprächen dauert dann nicht selten 2 Stunden, in denen ich ausschließlich zuhöre und mir Notizen mache. Auch am Ende des Gesprächs kommt nicht selten der Satz..."aber wie gesagt, ich sage dazu sowieso nichts."

Überall da, wo Energie ist, ist auch Bedarf zur Klärung, Hoffnung und Interesse. Deshalb lohnt es sich, sich an einen gemeinsamen Tisch zu setzen und in einem geschützten Rahmen, in dem kein Risiko besteht, weitere Verletzungen erdulden zu müssen, miteinander auf Augenhöhe in den Dialog zu kommen.

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Geduld oder schon Duldung?

Veröffentlicht am 01.09.2017

Die "Masken der Niedertracht", erwähnt in meinem ersten Blog-Eintrag, geben einen exzellenten Aufschluss darüber, wo die feine Grenze zwischen Geduld und Duldung verläuft. Bis heute habe ich noch Niemanden getroffen, der Geduld nicht als eine positive Eigenschaft betrachtet hätte. Leider meinen es Viele unter uns mit der Geduld oft zu gut. Jenseits der vernünftigen und gesunden Geduld beginnt die selbstzerstörerische Haltung der Duldung. Bis wir erkennen, dass wir diese schon zu lange eingenommen haben, haben wir uns viel zu häufig entwürdigen lassen und selber klein gemacht.

Um des lieben Friedens willen...welchen Friedens, wenn am Ende dabei herauskommt, dass ich zulasse, dass mein Gegenüber sich letztendlich völlig willkürlich in meinem Leben ausbreiten und austoben darf und ich selber mit meinen Bedürfnissen quasi verschwinde. Übergriffe sind dann zur Normalität geworden. Wir haben uns so sehr daran gewöhnt, dass sie uns unbedingt akzeptabel erscheinen.

Sie fehlen uns sogar, wenn wir sie eine Zeit nicht ertragen müssen. Auch Qualen sind eine Form der Aufmerksamkeit und Anerkennung. Schließlich investiert der Andere viel Zeit und Energie in uns. Da müssen wir ihm doch etwas wert sein.

Wir fragen uns, wie die Anderen das machen, die sich solche Verhaltensweisen ganz offensichtlich nicht gefallen lassen. Woher nehmen sie die Stärke, den Mut, einfach Nein zu sagen, sich zu widersetzen? Haben die keine Angst, das Gegenüber zu verlieren? Haben die überhaupt vor irgendetwas Angst?

Nein, Gott sei Dank gibt es genug Menschen, die angstfrei sind. Manche sind so geboren, haben sich im Laufe der Jahre so entwickelt und manche mussten sich ein angstfreies Leben erst erkämpfen oder nach Verlust zurückerobern. Manche schaffen es auch gar nicht. Sie verharren unbegrenzt in ihrer Angst und Duldungshaltung.

Sich aus der Duldung zu lösen, erfordert viel Kraft, Mut und wohl auch Verzweiflung und Leidensdruck. Wille entwickelt sich meist erst unter dem entsprechenden Leidensdruck. Man muss an den Punkt kommen, wo man die Duldung nicht mehr ertragen kann. Die eigene Duckmäuserhaltung muss einen anwidern, das eigene Verhalten muss abstoßend werden. Erst dann besteht die Hoffnung auf eine wirkliche Veränderung. Diese beginnt meist mit einer schmerzhaften Portion Ehrlichkeit sich selber gegenüber. Wie konnte ich es soweit kommen lassen?

Der Blick nach hinten ist zwar lehrreich, sollte aber nicht zu lange andauern. Die bessere Frage lautet, was ein Mensch braucht oder tun muss, um aus der Duldung herauszukommen, damit es ihm möglichst schnell wieder besser geht, er sich in seinem Leben wieder frei fühlt. Glücklicherweise gibt es hier Möglichkeiten und Unterstützung, damit Menschen wieder erstarken und gesund den weiteren Weg ihres Lebens beschreiten. Verlust gibt es dabei immer, aber der Gewinn ist mit Sicherheit größer.

Ich zitiere eine mir unvergessene Kundin, die mir sagte, sie sei bereit, im Leben um alles zu kämpfen, aber nicht darum, geliebt zu werden.

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"Furcht ist Schmerz, der entsteht, weil man Unheil erwartet." Aristoteles

Veröffentlicht am 25.08.2017

Zu Beginn eines Konfliktes fürchten sich die Betroffenen vor dem, was passieren wird, wenn man ihn anspricht. Diese Furcht ist lähmend und konserviert den Konflikt, im besten Fall nur Tage, im schlimmsten Fall ein Leben lang. Doch manchmal stellt sich glücklicherweise eine noch größere Furcht ein, nämlich was passiert, wenn nichts passiert, wir den Konflikt nicht ansprechen.

Aus einem sogenannten "heißen" also emotionalen und offen ausgetragenen Streit ist dann schon lange ein "kalter" Konflikt geworden. Ein kalter Konflikt ist da, Jeder weiß es, aber niemand spricht darüber. Wir versuchen, gute Argumente zu finden, Dinge gerade jetzt nicht anzusprechen, Dinge auszuhalten, den Anderen oder sich selber vermeintlich zu schonen, Probleme auszusitzen in der Hoffnung sie lösen sich irgendwie mit der Zeit von selber auf. Irgendwann haben wir uns an die eigene Duldung und Passivität so sehr gewöhnt, dass wir völlig verstummt sind.

Das Muster nichts zu sagen, ist uns so selbstverständlich geworden, dass es wie ein Virus auch auf andere Situationen, Themen und Menschen übergreift. Denn ja, den Mund aufmachen, kostet jedes Mal Kraft. Ein unangenehmes Thema anzusprechen, kostet auch den Geübtesten immer wieder Überwindung. Es wird nie zur Selbstverständlichkeit. Es ist eine Leistung, für die wir uns eigentlich bei unserem Gegenüber bedanken könnten, wenn er uns den ersten Schritt abgenommen hat. Und wir könnten stolz auf uns sein, wenn wir uns wieder und wieder selber überwinden.

Nach über 25 Jahren Berufserfahrung gerate auch ich selber immer wieder in die Situation, in der ich mich entscheiden muss zwischen vermeintlich bequemen Nichtstun und den Mund aufmachen, das Thema angehen, Unangenehmes aussprechen. Vielleicht hat das Leben mir diese Aufgabe zugedacht, diese Rolle für mich vorgesehen. Ich hadere damit nicht. Ich nehme sie an. Kürzlich habe ich einen alten Schulfreund nach über 30 Jahren getroffen. Er fragte, welchen Beruf ich ausübe und als ich ihm erzählte, was ich tue, meinte er lächelnd: "Das passt zu dir."

Ich habe durchwegs gute Erfahrungen gemacht. Egal, wie ein Gespräch gelaufen ist, die Furcht davor, es zu führen, hat sich im Grunde nie als berechtigt erwiesen. Die Furcht ist uns als Warnsystem inne, um nichts zu übersehen, keine Fehler zu machen, nicht arrogant oder überheblich zu werden, uns selber richtig einschätzen zu können. Deshalb begrüße ich meine eigene Furcht vor unangehmen Gesprächen heute mit einem gelassenen inneren Lächeln. Ach da ist sie wieder. Und dann frage ich mich, was sie mir wohl heute in diesem speziellen Thema oder mit diesem Menschen sagen will. Worauf will sie mich heute hinweisen? Ich bekomme immer eine Antwort und die macht mein Gespräch dann erfolgreicher, weil ich aufmerksamer bleibe.

Furcht soll uns aufmerksam machen, aber nicht von einem Gespräch abhalten. Sie warnt mich, mir noch ein Mal zu überlegen, ob der Moment wirklich der richtige ist. Sie bewahrt mich vor meinen eigenen impulsiven Momenten. Sie macht mich nachdenklich und vorsichtig, aber nicht ängstlich. Wenn ich ihr ausreichend Raum gegeben habe, bin ich mir sicherer als zuvor.

Im Grunde soll uns die Furcht vor möglichem Unheil am Ende mehr Sicherheit geben. Wenn meine Klienten diese Sicherheit noch nicht haben, dann stelle ich Ihnen diese zur Verfügung. Ich habe mehr Übung darin, die Furcht auszuhalten und das Positive darin zu sehen. Menschen folgen mir dann auf meinem professionellen Weg und entdecken ihre eigene Sicherheit im Gespräch - solange bis sie mich nicht mehr brauchen.

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"Über die Dörfer" von Peter Handke und was Arbeiten mit Menschen im Konflikt bedeutet

Veröffentlicht am 21.08.2017

Haben Sie schon das Gedicht von Peter Handke "Über die Dörfer" gelesen?

Es beschreibt ziemlich genau, was die Arbeit mit Menschen, die sich in einem Konflikt befinden, bedeutet und beinhaltet. Es ist das Mysterium, einem anderen Menschen fast blind zu folgen, ohne zu wissen, wohin der Weg führt. Im Vertrauen zu sein und die positive Annahme zu unterstellen, dass es schon der richtige Weg sein wird. Ähnlich wie bei einer Expedition oder Karawane, bei der nur der Führer wirklich weiß, worauf sich alle Beteiligten einlassen.

Ein mulmiges Gefühl ist immer dabei. Der Verlauf ist ungewiss. Der Ausgang erst recht. Peter Handke beschreibt sehr gut, mit welchen Befindlichkeiten, Erlebnissen und Herausforderungen man bei mediativer Arbeit konfrontiert wird.

Spiele das Spiel...man muss sich auch auf ein kleines Spiel einlassen.

Gefährde die Arbeit noch mehr...es ist ungewiss, ob nicht alles noch schlimmer werden könnte.

Sei nicht die Hauptperson...vertrete deine Interessen, aber sei dir gewiss, dass du nicht allein die Hauptperson bist.

Such die Gegenüberstellung...unbedingt.

Aber sei absichtslos...denn jedes Tricksen fliegt auf.

Vermeide Hintergedanken...denn sie werden sowieso entlarvt.

Sei weich und stark...das äherne Gesetz in der Mediation...hart in der Sache und weich zum Menschen.

Lass dich ein...und das heißt, sich öffnen, sich ausliefern.

Und verachte den Sieg...denn ihr gewinnt und verliert nur gemeinsam.

Sei erschütterbar...denn wenn wir es nicht mehr sind, ist schon fast alles vergebens.

Zeig deine Augen...und lass dir in die Seele blicken.

Entscheide nur begeistert...denn sonst wird es nicht halten.

Scheitere ruhig...denn in jedem Scheitern liegt ein Neubeginn.

Hab Zeit und nimm Umwege...denn hier liegt das Unerwartete und Überraschende.

Pfeif auf das Schicksalsdrama...wir alle durchleben es...du bist nichts besonderes.

Missachte das Unglück...es kann dir nichts anhaben, wenn du es nicht willst.

Zerlach den Konflikt...eine große Leistung.

Geh über die Dörfer. Ich komme dir nach...ein erhebendes Gefühl in jedem mediativen Moment, wenn Menschen nachfolgen ohne genau zu wissen, wohin wir gehen. Vertrauen ist Motivation ist Leben.

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Intelligenz ist die Fähigkeit zur Selbstkritik

Veröffentlicht am 18.08.2017

In Zeiten, in denen wir in der Lage sind, auf dem Mond spazieren zu gehen, erscheint es uns oft schier unmöglich unseren Partner, Nachbarn oder Kollegen zu erreichen, die Kluft in der Familie zu überwinden. Welchen Nutzen hat die ganze Intelligenz dieser modernen Zivilisation, wenn wir sie nicht da einsetzen, wo wir sie am dringendsten benötigen, in unserem sozialen Umfeld?

Über meine Arbeitsjahrzehnte hinweg sind mir zahlreiche Definitionen für Intelligenz begegnet. Heute betrachte ich den berühmten IQ-Test als die Definition, die dem Inhalt von Intelligenz am wenigsten nahe kommt. Glücklicherweise hat die Wissenschaft dazugelernt und betrachtet ihn selber nur noch als Maßstab für die sogenannte Schulfähigkeit. Nicht mehr und nicht weniger.

Dann gibt es noch die emotionale Intelligenz, die auch vielerlei Interpretationen und Definitionen aufgedrückt bekommen hat. Und jetzt komme ich daher und stelle eine weitere Definition in den Raum. 

"Intelligenz ist die Fähigkeit zur Selbstkritik" hat ein von mir sehr geschätzter Kunde vor vielen Jahren behauptet. Die Behauptung hat mich unmittelbar angesprochen, ja regelrecht aufgewühlt. Ich bin ihr nachgegangen, ich habe sie von allen Seiten betrachtet, sie mit Erfahrungen und Wissensbausteinen verknüpft und hinterfragt. Ich sage ja zu dieser Definition. Sie begeistert mich. Ja, vor allem aus dem Blickwinkel meiner mediativen Berufserfahrung.

Menschen, die in der Lage sind, eigenes Handeln, die eigene Persönlichkeit, Auftreten, Verhalten, Wertewelt kritisch zu hinterfragen, leben Intelligenz. Selbstzufriedenheit, Faulheit, Bequemlichkeit oder Arroganz sind das Gegenteil von Intelligenz. 

Haben Sie sich nicht schon einmal reden hören und sich gleichzeitig gedacht, was für einen Mist rede ich da eigentlich gerade? Haben Sie sich nicht schon einmal dabei beobachtet oder ertappt, Dinge zu tun, die Sie eigentlich für verwerflich oder wenigstens für falsch halten? Diese Momente sind goldene Momente der Intelligenz. Nur leider schenken wir ihnen nicht genügend Aufmerksamkeit. Meist blenden wir diese innere Stimme wieder aus. Richtig wäre es, ihr nachzugehen, auf sie zu hören und sich zu fragen, was ist die Alternative zu dem, was ich gerade tue.

Immer dann, wenn Menschen, quasi von außen auf sich schauen, ihren inneren Dialog laut aussprechen, die Warnungen, Zweifel, Sorge, das Bauchgefühl laut aussprechen, immer dann entsteht die Chance, einen echten anderen Weg einzuschlagen. Dann entstehen Alternativen. Dann wird Authentizität gelebt.

Leider nehmen wir diese inneren Dialoge erst zu spät wahr. Unsere brillantesten Momente entgehen uns. Dann nämlich, wenn die Situation schon vorbei ist. Auf der Fahrt nach Hause von der Arbeit oder, wenn der Andere schon zur Tür raus ist, meldet sie sich, diese innere Stimme. Ihr nachzugehen, den Anderen zurückzuholen oder am nächsten Tag noch einmal auf den Nachbarn, die Frau, den Kollegen oder den Chef zuzugehen, wäre der goldene Weg in der Kommunikation. Viel zu selten tun Menschen das. Haben sich erst Mal mehrere solcher schwierigen Momente aneinander gereiht, scheint die Barriere aufeinander zuzugehen, schier unüberwindbar.

Diese Hürde gilt es in mediativen Gesprächen zu überwinden. Mit meiner Hilfe stellen Menschen fest wie leicht es sein kann und, dass sie eigentlich nicht wissen, warum sie dies nicht schon lange getan haben. 

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Immer diese Inkompetenzen

Veröffentlicht am 14.08.2017

Es ist Jahrzehnte her, als ich mich dafür entschieden habe, nicht mehr über meine Inkompetenzen hinwegzusehen, sie nicht mehr hinzunehmen, ihnen das Ruder nicht mehr einfach zu überlassen. Vielleicht, weil ich von Menschen umgeben war, die sich aus Bequemlichkeit, Eitelkeit oder Feigheit eben nicht mit ihren Inkompetenzen beschäftigen wollten.

Ich gebe zu, dass ich über die Jahre zu einem echten Fan meiner Inkompetenzen geworden bin. Ich habe erkannt, dass genau dort im Verborgenen meines Wesens das größte Potenzial für Wachstum liegt. Da, wo noch so viel unausgeschöpft ist, genau da liegen meine größten Chancen.

Das war nicht immer so. Früher war ich meinen Inkompetenzen ziemlich hilflos ausgeliefert und noch heute ereilen mich Momente, in denen ich verärgert erkenne, dass sie mich jetzt genau in diesem Augenblick behindern. 

Inkompetenzen, UnbewusstesInkompetenzen, UnbewusstesIch habe mir Zeit genommen, mir meine Schwächen genau anzuschauen, sie aus allen Blickwinkeln zu betrachten. Ich habe mir die Frage gestellt, wozu sie gut sein sollen. Und ich habe Antworten gefunden. Ich habe damals begonnen, an ihnen zu arbeiten, sie zu verändern, zu formen, zu verkleinern, ihnen einen anderen Platz in meinem Leben zu geben.

Mein Kind hat mich kürzlich nach meinen Stärken und Schwächen gefragt. Ich denke, dass meine größte Stärke ist, mir meiner Schwächen bewusst zu sein, mich nicht selber anzulügen, wenn ich ihnen begegne. Ich bin bereit an ihnen jeden Tag zu arbeiten und deshalb glaube ich, sie relativ gut im Griff zu haben. Das ist der Anspruch, den ich an mich stelle. Seit ich ehrlich mit meinen Inkompetenzen umgehe, geht es mir besser. Ich habe weniger Konflikte im Leben. Ich bin professioneller in meinem Beruf. Ich fühle mich authentischer und gesünder.

Ein entscheidender Moment ist das sehr bewusste Erlebnis, wenn sich die Fronten in einem Gespräch - egal, ob privat oder beruflich - verhärten und sich nun entscheidet, wohin die Aufmerksamkeit geht. Zur Sache oder zum Ego? Früher ist sie oft zum Ego gegangen, dann wurde es noch schwieriger. Heute geht sie in der Regel zur Sache. Das ist erleichternd. Zu spüren, dass das Ego ruht, hält arbeitsfähig, lässt mich in der Kommunikation und im Kontakt zu meinem Gegenüber stabil bleiben. Das ist ein Gewinn für beide Seiten.

Das Unbewusste ist bewusst geworden. Ich habe Licht angeknipst und in die dunklen Bereiche der Persönlichkeit geblickt. Es heißt aufräumen, vor allem in den Ecken, wo man nur schwer hinkommt. Wie in einem seit Jahren zugestellten Kellerraum, gilt es erst Mal ziemlich viel aus dem Weg zu räumen, um auch in die hinteren Teile vorzudringen. Die Arbeit passiert nicht, ohne sich die Hände schmutzig zu machen. Das Risiko sich zu verletzten, besteht immer. Der Lohn liegt nicht im Jetzt, sondern in der Zukunft. Deshalb schaffen es auch nicht alle. Abwarten können, sich in Geduld üben und unermüdlich dran bleiben, sind die Zutaten für den Erfolg. Aber ich sage, es lohnt sich in jedem Fall.

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"Die Masken der Niedertracht" von Marie-France Hirigoyen und was dieses Buch mit der Wissenschaft zu persönlichen Kompetenzen und Inkompetenzen zu tun hat.

Veröffentlicht am 11.08.2017

Wer die "Masken der Niedertracht" liest, weiß sofort, wovon die Rede ist, wenn ich Begriffe wie Kompetenzen und Inkompetenzen anspreche. Die Frage ist, ob die Träger dieser Kompetenzen und Inkompetenzen sich dessen bewusst sind, welches Risiko bzw. welche Chance sich in ihrem Persönlickeits-Setting verbirgt. Einiges wurde vererbt, noch viel mehr erlernt, erworben, erfahren, erlitten und erduldet. Niemand sucht sich sein genetisches Gut, die Eltern, die ersten prägenden Erfahrungen im Kleinkindalter, das soziale Milieu, in dem er aufwächst aus. Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass niemand all dem einfach hilflos ausgeliefert ist. Ganz im Gegenteil. In einer Zeit, in der in unserer modernen Welt quasi Jedermann Zugang zu Wissen und jeglicher Form von Unterstützung hat, ist persönliche Veränderung auf jeden Fall machbar. Im Grund kann jeder Konflikt gelöst werden. Voraussetzung und kritischer Erfolgsfaktor ist der Wille der Beteiligten.

Herbert Spencer, englischer Philosoph und Soziologe hat den Kernsatz schlechthin in den Raum gestellt: "Das große Ziel unserer Bildung ist nicht Wissen, sondern Handeln." Dieses Motto zieht sich viele Jahre durch meine Arbeit. Wenn Menschen beginnen zu handeln, sich ihrer eigenen negativen Verhaltensmuster oder der Ihres Gegenübers bewusst werden, dann liegt eine große Chance in der Luft. Persönliche Veränderung ist die Champions League auf der Suche nach Konfliktlösungen.

Es gibt sie. Es gibt sie immer wieder die Menschen, die sich der Durchschnittlichkeit als Alltagsopfer widersetzen, mutig sind, aufstehen und den Problemen entgegentreten. Es ist und bleibt ein erhebender Moment, wenn ich dabei sein darf, wenn Menschen nach langer Zeit wieder in echten Kontakt miteinander treten, sich erstmalig wirklich ansehen und wahrnehmen. Ein wahrhaft erhebender Moment. Meist wird es dann still. Menschen sprechen langsam, bedacht und völlig unaufgeregt. Sie blicken sich an, nehmen sich wahr und sind in Kontakt. Dann gibt es eine echte Chance. Niedertracht hat dann keinen Raum mehr. Güte, Verstehen, Aufmerksamkeit und Suche nach Lösung beherrscht den Moment.

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